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Bürgerstiftung für verfolgte Künste

Pressematerial „,Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!' Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen“

9. Mai - 13. September 2026
Zentrum für verfolgte Künste
Wuppertaler Str. 160, 42653 Solingen

Mehr Widerspruch wagen: Ausstellung in Solingen fordert „mehr Dada“

In einer Zeit, in der Kriege, autoritäres Denken, politische Verrohung und der Angriff auf Sprache und Wahrheit wieder zunehmen, ist Dada aktueller denn je. Das Zentrum für verfolgte Künste setzt deshalb bewusst ein Zeichen: Wir brauchen heute mehr Dada — mehr Widerspruch, mehr geistige Unruhe, mehr Mut zur Störung scheinbarer Gewissheiten.

„Nehmen Sie Dada ernst!“

Zum 110. Geburtstag von Dada feiern wir den Mut der Künstlerinnen und Künstler mit ihrer Arbeit für eine bessere Gesellschaft einzutreten! Vorbildlich. Damals stemmte sich Dada als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg gegen die unguten soziopolitische Dynamiken, die ihn erlaubt hatten und die nun echten Fortschritt in der neuen Weimarer Republik verhinderten. Was machen wir heute?

Antibürgerlich, anarchistisch und pazifistisch übte Dada mit scharfem Blick und beißender Satire Gesellschaftskritik, hinterfragte geltende Werte sowie politische und soziale Zustände. 1916 noch während des Krieges gegründet, wird das Ende der Bewegung zwar in den frühen 1920er Jahren verortet, Künstler:innen wie George Grosz, Hannah Höch und John Heartfield kämpften jedoch mit Mitteln der Kunst später auch gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Den Nationalsozialisten gilt Dada als „entartet“.

Die Kunst der Dadaist:innen ist bunt, laut – und keineswegs einheitlich. Sie bedienten sich unterschiedlichster Stile und produzierten Literatur, Lyrik, Bühnenstücke, Gemälde, Grafik, Collagen und Fotografien. Doch das Politische ist ein zentraler gemeinsamer Nenner, der sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten der Bewegung zieht und auf verschiedenste und unerwartete Weisen zum Ausdruck kommt.

Mit Werken unter anderem von Johannes Baader, Hugo Ball, Erwin Blumenfeld, Paul Citroen, Otto Dix, Otto Griebel, George Grosz, John Heartfield, Marta Hegemann, Emmy Hennings, Hannah Höch, Heinrich Hoerle, Richard Huelsenbeck, Franz Jung, Walter Mehring, Rudolf Schlichter, Kurt Schwitters, Sophie Taeuber-Arp.

Einige der in der Ausstellung behandelten Fragen sind auch heute noch relevant. Wie reagiert Kunst auf gesellschaftliche Krisen? Wie behauptet sich Freiheit gegenüber Ideologie, Vereinfachung und Gewalt? Und wie können künstlerische Strategien des Bruchs und der Irritation helfen, heute neu über Demokratie, Öffentlichkeit und Verantwortung nachzudenken?

Mit diesem Ansatz knüpft das Zentrum für verfolgte Künste an seine übergreifende Arbeit an: Es fragt nach den Bedingungen von Sichtbarkeit, Ausgrenzung und Erinnerung in der Kunstgeschichte und danach, welche politischen Kräfte darüber entscheiden, welche Stimmen gehört und welche verdrängt werden.

Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Katharina Günther. Die Kunsthistorikerin arbeitet in dieser Ausstellung zu Kunst der Moderne und ihren politischen, sozialen und ideengeschichtlichen Kontexten. Sie verbindet historische Präzision mit der Frage nach der Gegenwartskraft künstlerischer Positionen.

„Dada ist aufregende, innovative Kunst, aber auch ein Appell. Die pazifistisch eingestellten Dadaist:innen zweifelten bereits den Sinn des Ersten Weltkriegs an. Arbeitslosigkeit und Armut prägten die neue Weimarer Republik, das Bürgertum war träge im Denken und Handeln. Machtstrukturen aus dem Kaiserreich waren erhalten geblieben und einige wenige machten sich die Taschen voll. Dada klagte an und forderte das Publikum zum Hinsehen, Reflektieren und Verstehen auf.“ – Dr. Katharina Günther

Ein besonderer Höhepunkt des Programms ist ein Abend mit Blixa Bargeld am Donnerstag, 25. Juni 2026. Schon der Name des Musikers und Autoren ist eine Hommage an der Kölner Dadaisten Johannes Baargeld. Mit den Einstürzenden Neubauten führte der Sänger Bargeld Dada in die Gegenwart. In seinen Solo-Projekten setzt er die Dada Sprach- und Denkradikalität fort.

Der Musiker, Schriftsteller und Schauspieler Rocko Shamoni spricht am Sonntag, 31. Mai 2026 über Dada, Nonsense, Absurdität und Humor als Stil- und Kampfmittel in der Kunst.

Beide Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Ox Fanzine statt. Das Ox-Fanzine beschäftigt sich in der 130. Folge seines Podcasts mit unserer Dada-Ausstellung: „Punk & Dada“

Parallel zur Ausstellung zeigen wir Simon Wachsmuths Videoarbeit From Heaven High [Vom Himmel hoch], 2025 als zeitgenössische Intervention in unserer Literatursammlung. Er ist am 5. Juli 2026 zu einem Künstlergespräch zu Gast.

„Dada ist auch heute nicht ,vorbei'. Dada hat nach NO!art und Fluxus im Untergrund und vor allem in der Musik überlebt. Dada existiert im absichtsvollen Anti-Sound weiter, im Spiel mit Nonsens, im performativen Angriff aus dem Katzenklo. Dada ist eine Aufforderung, die Mechanismen der Macht im Bild, im Satz, im Reflex zu erkennen. ,Kopf auf' heißt nicht, mehr Information. Es bedeutet, fang endlich an zu denken – und handle, damit unsere Demokratie nicht untergeht!“ – Dr. Jürgen Joseph Kaumkötter

Begleitprogramm:

Öffentliche Führungen werden sonntags um 15:00 Uhr angeboten. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Die Führung ist im Eintrittspreis enthalten. Treffpunkt ist im Foyer im Bereich der Kasse.

Private Führungen für bis zu 25 Personen können für 70 Euro gebucht werden.
Workshops für Schulen und andere Gruppen können individuell abgesprochen werden.
Anfragen und Terminabstimmung an info@verfolgte-kuenste.de

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog im Hirmer-Verlag. Mit Essays von Katharina Günther, Hanne Bergius, Lucy Byford, Agathe Mareuge und „Let’s do it a Dada“ von Jürgen Joseph Kaumkötter.

Download Auszug aus dem Katalog mit Inhaltsverzeichnis, Vowort, Einführung und Werkliste (pdf, 4,42MB)

Die unten aufgeführten Abbildungen sind gemeinfrei und dürfen zusammen mit der jeweils darunterstehenden Bildunterschrift frei verwendet werden. Alle weiteren Abbildungen unterliegen noch dem Urheberrecht und müssen bei uns separat angefragt werden. Diese können nach Anfrage kostenfrei genutzt werden.

Ansprechpartnerin
Daniela Tobias
E-Mail: presse@verfolgte-kuenste.de

Das Zentrum für verfolgte Künste in Solingen ist ein internationales Museum und ein renommierter Forschungsort. Es ist das einzige Museum, das sich ausschließlich Künstlerinnen und Künstlern widmet, deren Werk durch Diktaturen, Krieg und politische Verfolgung behindert, verhindert oder zerstört wurde.

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin des Zentrums für verfolgte Künste, Dr. Katharina Günther, studierte in Köln und Antwerpen und wurde an der Universität zu Köln promoviert. Wissenschaftliche und kuratorische Stationen führten sie unter anderem an die Klassik Stiftung Weimar, zur Francis Bacon MB Art Foundation in Monaco, zum The Estate of Francis Bacon in London, an die Hugh Lane Gallery in Dublin sowie an das Museum für Gegenwartskunst Siegen. Ihre Arbeit verbindet internationale Forschung und kuratorische Erfahrung an renommierten Institutionen.

Weitere Informationen: verfolgte-kuenste.com

Kontakt
Zentrum für verfolgte Künste
Wuppertaler Straße 160
42653 Solingen
info@verfolgte-kuenste.de
Tel.: 0212 23 37 47 52 (Mo-Fr, 9-12 Uhr)

Öffnungszeiten

Di–So, feiertags 10 – 17 Uhr
Montags geschlossen

Anfahrt

Haltestelle: „Gräfrath“ (Bus 683)
Parkplatz: Dycker Feld

Die Ausstellung wird von der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung Solingen, der Kunststiftung NRW und der Regionalen Kulturförderung des LVR gefördert.

Das Museum Zentrum für verfolgte Künste ist Teil des LVR-Netzwerks Kulturelles Erbe.

Unbekannter Fotograf, Installationsansicht, Erste Internationale Dada-Messe 1920, Abbildung aus Dada-Almanach, hg. von Richard Huelsenbeck, Berlin 1920, Sammlung Wassermeyer
Georg Scholz, Wucherbauernfamilie, 1920, Originallithografie auf Bütten, Antiquariat Günter Linke, Berlin
Kurt Schwitters, Ohne Titel (Scheveningen-Voorburg), 1926, Merzzeichnung, Collage, Papiere und Stoff auf Karton, Antiquariat Günter Linke, Berlin

Wir können Ihnen auf Anfrage folgende Bilder zur Verfügung stellen, die unter bestimmten Bedingungen der VG Bild-Kunst kostenfrei genutzt werden dürfen:

  • Otto Dix, Streichholzhändler, 32 x 48,5 cm, 1920, Radierung auf Papier, Kunstsammlung Gera – Sammlung Niescher / © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
  • George Grosz, The Menace, 1934, Aquarell auf Papier, 61 x 44,5 cm, Sammlung Judin, Berlin © Estate of George Grosz, Princeton, N.J. / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
  • George Grosz, Christus mit der Gasmaske, Tafel 10 aus 17 Zeichnungen zur Aufführung des „Schwejk“, 17 x 26,5 cm, Berlin 1928, Sammlung Wassermeyer © Estate of George Grosz, Princeton, N.J. / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Ausstellungseröffnung mit der Kuratorin Dr. Katharina Günther. Foto: Daniela Tobias
Sophie Taeuber-Arp, König Hirsch: Hirsch, 1918, Holz, Ölfarbe, Metall / wood, oil paint, metal, 50 × 17,8 × 18 cm, Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung, ZHdK, Foto: Daniela Tobias
Ausstellungskatalog „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Hirmer Verlag, Foto: Daniela Tobias
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Sophie Taeuber-Arp, König Hirsch: Deramo und Hirsch, 1918, Holz, Ölfarbe, Metall, Museum für Gestaltung Zürich, Kunstgewerbesammlung, ZHdK, Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf!“, Foto: Daniela Tobias/Zentrum für verfolgte Künste
Rocko Schamoni ist am 31. Mai zu Gast im Zentrum für verfolgte Künste, Foto: David Köngismann
Blixa Bargeld tritt am 25. Juni im Zentrum für verfolgte Künste auf. Foto: Thomas Rabsch