Was wir lesen, wer wir sind - arkadaşlar
Allyship: Freundschaft als Verbündetenschaft. Mit Birgül Demirtaş und Gün Tank

Birgül Demirtaş und Gün Tank beim Festival Was wir lesen, wer wir sind - arkadaşlar. Lesungen und Gespräche zur Ausstellung Solingen ’93 Unutturmayacağız! Niemals vergessen!
Für Gün Tank waren es die zahlreichen Gespräche mit Zeitzeuginnen, die ihrem Roman Die Optimistinnen. Roman unserer Mütter trotz seiner fiktiven Handlung eine historische Genauigkeit einschreiben. Ein Drittel der Arbeitsmigrant:innenen der ersten Generation waren Frauen. Ihre Leben, ihre Leistungen, die Freude, aber auch ihre Krisen und Auseinandersetzungen finden sich in der Geschichte Nours, die in den beginnenden Siebzigerjahren aus Istanbul ins Oberpfälzische kommt. Die Frauen im Dorf tragen Kopftuch – Nour Miniröcke, in der sogenannten „Leichtlohngruppe“ werden sie alle schlecht bezahlt. Nour erfährt von den Frauenstreiks für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung und wird selbst Teil der Bewegung. Mit dem Roman unserer Mütter wird ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte geschrieben.
Birgül Demirtaş‘ Arbeit richtet ihr Augenmerk verstärkt auf die zweite Generation. Auch hier ist es die Solidarität untereinander, von der sie in Zeitzeug:innengesprächen – nicht nur mit Blick auf die Ereignisse von 1993 – erfahren hat. Die Neunzigerjahre bedeuteten für Communities auch die erneute Suche nach Formen des Selbstschutzes und der Selbstverteidigung: Rauchmelder und Strickleitern, selbstorganisierte Wachen, das Wissen, dass „jeder und Jede als Nächstes betroffen sein [kann]“. Mit dem von ihr mit herausgegebenen Band Solingen, 30 Jahre nach dem Brandanschlag ist eine der zeitgeschichtlichen Aufarbeitungen des Jahres erschienen.
Was wir lesen, wer wir sind - arkadaşlar. Lesungen und Gespräche.
jeweils donnerstags, Einlass: 19.00 | Beginn: 19.30 Uhr im Meistermann Saal des Zentrums für verfolgte Künste, Eintritt frei (Termine: 01.06.2023, 15.06.2023, 29.06.2023, 10.08.2023, 24.08.2023, 07.09.2023)
Arkadaşlar [aɾkadaʃˈlaɾ], Freund:innen, ist als Motto unserer Sommerlesungen und Gesprächsabende in An-lehnung an den Ausspruch Lasst uns Freunde sein! Bırakın arkadaş olalım! von Mevlüde Genç gewählt. Arkadaşlar jedoch auch in Anspielung darauf, dass es mutmaßlich vier Freunde waren, die das Haus entzün-det haben, dass die Freundschaft im Sinne eines Zusammenwachsens etwas ist, das wir auch immer wieder kritisch in Frage stellen müssen.
Wie schon im letzten Jahr wollen wir unsere Lesungen als moderierte Gespräche zwischen zwei Autor:innen verschiedener Genres gestalten, die sich schnell auch dem gesamten Publikum öffnen. Kurze Leseblöcke und kleine Performances wechseln dabei ab mit einem Dialog, den wir auch über diesen Sommer hinaus mit Ihnen führen möchten.
Ein Gespräch bestückt mit vielen Beiträgen der deutschen Gegenwartsliteratur, die diese um Perspektiven erweitern, die intersektionale Diskriminierungsrealitäten und Widerstandspraxen ebenso in den Fokus rücken, wie die Geschichten ihrer Protagonist:innen.
Material
Pressespiegel
Latest news

Temporary Exhibition
:
Lifelines. Across borders
An art project by Hanna Melnykova
In the summer of 2025, photo artist Hanna Melnykova emigrated from Germany to Ukraine. The Museum Center for Persecuted Arts is showing the photographic documentation of their performative walk.

Reading
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“We were just simple soldiers”
Discussion with Hanka Grupińska
On the anniversary of the Warsaw Ghetto uprising, renowned journalist Hanka Grupińska presents her book at the Center for Persecuted Arts in Solingen.

Concert
:
4th Chamber Concert of the Bergische Symphoniker 2026
With Elgun Aghazada, Shino Nakai, Odysseas Lavaris, Won Cheol Jung and Ina Bijlsma
Members of the Bergische Symphoniker will play works by Britten, Mozart and Beethoven at the 4th Chamber Concert 2026 at the Center for Persecuted Arts.

